… nach einem Naziangriff?

Einigen wird es schon passiert sein und in unserer Gegend kommt es oft vor: Ihr wurdet von Nazis bepöbelt, rassistisch beleidigt oder im schlimmsten Fall körperlich angegriffen. Viele Opfer fühlen sich nach so einem Vorfall hilflos und haben ein Gefühl der Ohnmacht und wissen oft nicht, wie sie damit umgehen sollen.

Gerade nach einem körperlichen Angriff durch Nazis ist es im Nachhinein nicht nur Ohnmacht, sondern auch Angst. Die meisten Betroffenen fühlen sich zudem oft allein gelassen.
Der folgende kleine Text soll gerade jenen etwas helfen, die sich nicht in linken Strukturen bewegen, aber trotzdem Ziel eines Angriffs werden können, weil sie nicht in das politische Weltbild von Nazis oder anderen rechtsmotivierten Menschen passen.

Wichtig nach einem Angriff ist es, die Polizei zu informieren. Das mag im ersten Moment schwer fallen und zu diesem Zeitpunkt ist es wichtig und richtig daneben gute Freund_innen oder die Familie zu kontaktieren bzw. Menschen um sich zu haben, die einen auffangen.

  • Warum die Polizei informieren?

Um Anzeige zu erstatten bzw. auf einer Anzeige zu bestehen.

  • Warum ist eine Anzeige wichtig?

Einerseits, damit die Angreifer_innen ermittelt werden (und wenn ihr einen Anwalt als Geschädigte bzw. Nebenkläger_in nehmt, bekommt ihr Akteneinsicht) und andererseits ist es mit die einzige Möglichkeit in einem Rechtsstaat gegen Übergriffe vorzugehen. Deshalb sind Polizei und Staat dennoch noch lange nicht etwas Tolles, sondern erfüllen letztendlich theoretisch nur ihre zugewiesenen Aufgaben. Es ist deshalb so wichtig eine Anzeige zu stellen, damit dem menschenverachtenden Weltbild von Nazis nicht Platz und Raum zur Entfaltung gegeben wird, denn Gewalt gegen angebliche politische Feinde ist fest in der nationalsozialistischen Ideologie damals wie heute zum Machtgewinn und dessen Sicherung verankert. Und eine Anzeige, auch wenn es hart klingt, die nicht gemacht wird, unterstützt indirekt nazistische Umtriebe.
Genauso wichtig ist es, ein Gedächtnisprotokoll zu erstellen.

  • Was ist ein Gedächtnisprotokoll und warum ist es wichtig?

In ein Gedächtnisprotokoll schreibt ihr möglichst genau alles über den Tathergang bzw. den Ablauf rein bspw. wann und wo ihr angegriffen wurdet, wie viele Angreifer_innen es waren, was diese gesagt (Beleidigungen oder Ähnliches) und an Kleidung getragen haben. Notiert euch das Ganze kurz nach dem Angriff bzw. wenn ihr wieder zur Ruhe gekommen seid und vor allem seid darin ehrlich und schreibt sachlich. Damit habt ihr eine Grundlage für eine Aussage bei der Polizei und für eine mögliche Verhandlung, die meistens erst nach gut einem Jahr frühestens stattfinden und ihr meist als Zeuge auftreten müsst. Und innerhalb eines Jahres kann Mensch echt viel vergessen und das hilft dem angeklagten Nazi.

Der erste Schritt, eine Anzeige zu machen, ist oft nicht einfach und das hat mehrere Gründe. Oft ist es die Angst, durch eine Anzeige eine Zielscheibe für weitere Naziangriffe zu werden. Aber auch von polizeilicher Seite kann Druck kommen, denn nicht selten wird Opfern von Naziangriffen eine Mitschuld an den Übergriffen unterstellt oder es wird nicht als Naziangriff, sondern verharmlosend als Schlägerei zwischen Jugendlichen, registriert. Auch ist vielen, die eine Anzeige gestellt haben und dann bei einer möglichen Verhandlung als Zeuge aussagen müssen, die Konfrontation mit den Täter_innen mehr als unangenehm.

  • Doch ihr seid nicht allein!

In jedem Bundesland gibt es eine Opferberatung für Betroffene von rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt. Diese Organisationen sind unabhängig und beraten und unterstützen euch professionell, seien es Behördengänge oder bei einer Verhandlung vor Gericht und ihr habt eine_n Ansprechpartner_in. Zudem wird dadurch der Angriff als rechtsgerichteter registriert und fällt nicht durch die Statistik.

  • Warum ist das sinnvoll?

Einerseits werden dadurch meist mehr Fälle rechter Gewalttaten vermerkt, die einer oft getätigten Beschönigung der Zahlen und Fakten widersprechen und zugleich wird damit das immer noch vorhandene Problem rechtsmotivierter Gewalt thematisiert. Außerdem kann darüber im Idealfall auch politischer Druck aufgebaut werden.

In Sachsen gibt es die RAA – Opferberatung. Auf deren Internetseite erhaltet ihr Telefonnummern und Kontaktmöglichkeiten, sowie weitere Tipps.

Wir hoffen, euch damit etwas geholfen zu haben.

Hier der Text zum runterladen als Word-Datei.

Was tun …?

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