Bad Schandauer Problemwelten

26/03/2015

von Gumbel

Normalerweise lohnt sich der Blick nicht in die Sächsische Zeitung (SZ), wenn es neben tagesaktuellen Themen aus der Region Beiträge zu Kultur und Politik gibt, denn darunter sind nur wenig sinnvolle. Die meisten sind vom Anspruch und ideologischen Gehalt höflich ausgedrückt vor allem eins: überschaubar. Dennoch unterbietet ein Bericht vom 25.03. in der Pirnaer Ausgabe der SZ das Niveau nochmals um Längen und geht glatt als Realsatire durch. Die Rede ist vom Beitrag: „Hat Bad Schandau ein Problem mit Autonomen?“[1]

An sich wäre es nicht die Erwähnung wert, denn in der SZ gibt es in regelmäßigen Abständen Artikel mit extremismus“theoretischem“ Einschlag, die alle durch eigene Ideologisierung und fehlender wissenschaftlicher Analyse glänzen. Dennoch ist der erwähnte Artikel da doch noch eine Ausnahme vom Grad der Ideologisierung und nicht vom Niveau.

Im Januar fand, wie auch im Artikel erwähnt wird, eine Gegenkundgebung zu einem dort stattfindenden faschistischen Aufmarsch statt. Ein Extra-Artikel ist auf dem Blog  dazu damals nicht erschienen. Im Nachgang kann konstatiert werden, dass das wohl ein Fehler war. Durch Nachfrage bei dem damaligen Veranstalter Thomas Dißelmeyer vom DGB aus Pirna konnte ermöglicht werden, dass die FAU-IAA einen Redebeitrag zu rechten Umtrieben in der Sächsischen Schweiz halten konnte. Eine schöne und begrüßenswerte Geste, zumal sie spontan gewährt wurde.

Der Artikel hingegen folgt nicht nur der Extremismus“theorie“, sondern betätigt sich in einer der besonderen deutschen Tugenden schlechthin: Dem Denunzieren. Angefangen wird damit gleich im ersten Abschnitt mit der rhetorischen Frage nach auswärtigen Unruhestifter_innen, sprich wir sind idyllisch, das Problem muss von Nestbeschmutzer_innen von außen kommen. Dabei ist es dem Verfasser egal, ob das nun die FaschistInnen sind oder die Gegenkundgebung. Beides bedroht schließlich den Hausfrieden in Bad Schandau und die Illusion einer so genannten bürgerlichen Mitte. Das alles bewegt sich soweit auch noch im Rahmen des üblichen Geschreibsels unter den angesprochenen Vorzeichen.

Richtig bitter und eventuell strafrechtlich relevant wird es erst als der Autor auf die FAU-IAA zu sprechen kommt. Mit dem Verweis auf Wikipedia, für eine weiterreichende Literatursuche zum Thema war wohl keine Zeit, kommt der Autor zu der bahnbrechenden Erkenntnis, es handelt sich dabei um eine anarchosyndikalistische Gewerkschaft. Und ganz empörend ist wohl die Feststellung, dass die FAU-IAA für den Klassenkampf einsteht. Der Witz ist, was unterscheidet sie da zumindest vom Papier her von anderen deutschen Gewerkschaften? Richtig, erstmal nicht viel. Es ist schon nicht mehr skurril und auch nicht mehr witzig, wenn über diese Schiene versucht wird, eine legale Organisation, die sich für die Rechte der Arbeiter_innen einsetzt und Klassenkampf nicht auf dem Papier führt, zu de­le­gi­ti­mie­ren. Das läuft nicht nur auf eine Ablehnung von Gewerkschaften hinaus, die links vom DGB stehen, sondern in letzter Konsequenz auf eine Ablehnung aller Gewerkschaften. Der Artikel offenbart daher auch mehr über das Demokratieverständnis des Autors oder besser gesagt, seiner autoritären Vorstellungen von Gesellschaft.

Peinlich ist auch, dass dafür in Bad Schandau anscheinend Sitzungen anberaumt werden, als gäbe es vor Ort keine anderen Probleme. Vor allem ist es ein unsolidarisches Verhalten, sich im Nachgang von Teilnehmer_innen der Gegenkundgebung zu distanzieren. Da ist die Frage erlaubt, was die jeweiligen Personen wie Peter Darmstadt (CDU) oder Andreas Eggert (parteilos) auf der Gegenkundgebung wollten, wenn sie selbst bei so einer Aktion indirekt einen möglichen oder eventuellen Ausschluss von Faschistengegner_innen bei zukünftigen Veranstaltungen versuchen zu rechtfertigen. Da verkommt die Tatsache mit dem angefahrenen Polizisten zum Nebenschauplatz.

Bleibt abzuwarten, wie die FAU auf diesen Beitrag reagieren wird, denn schädigend in seiner Sache ist er auf jeden Fall und kann u.a. als Angriff auf gewerkschaftliche Organisierung verstanden werden.

[1] Leider ist es nicht möglich einen Link zu setzen, denn der Artikel ist online exklusiv und somit zahlungspflichtig. Er kann aber in der Pirnaer Ausgabe vom 25.03.2015 nachgelesen werden.

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