Nachbereitung – Gedenkdemonstration vom 25. Oktober in Leipzig für Kamal K.

28/10/2014

von Gumbel

Am 25.10. fand dieses Jahr die Gedenkdemonstration für Kamal K. statt, der am 24.10.2010 durch zwei stadtbekannte Faschisten mit einem Messer angegriffen worden war und dabei tödlich verletzt wurde. Kamal K. ist einer von acht Menschen, die in Leipzig aus rassistischen und sozialdarwinistischen Motiven seit 1990 ermordet wurden. Organisiert wurde die Demonstration von der Initiative Rassismus tötet! unter dem Motto: Erinnern heißt Kämpfen!

Die Anreise nach Leipzig verlief entspannt, es fand sich letztlich eine größere Gruppe zusammen. Auch zum Auftaktort der Demonstration auf dem Leipziger Marktplatz gelangte mensch ohne Probleme. Zwar war das Polizeiaufgebot hoch, doch hielten sich diese auch während der Demonstration zurück. Die Demonstration lief ohne Spalier, die Polizei beschränkte sich mit Absperrungen von Seitenstraßen und jeweils Einsatzwagen vor und hinter der Demonstration. Vielleicht ein Grund dahingehend, dass noch die Koalitionsverhandlungen laufen und noch nicht klar ist, wer neue_r Innenminister_in wird und wie dann die politische Linie nach Ulbig ausschaut. Insgesamt, dass kann an der Stelle schon gesagt werden, verlief der Tag problemlos und weitgehend störungsfrei.

14 Uhr sollte es losgehen, 14.10 Uhr wurden schon die Auflagen verlesen. Kurze Zeit später, während  noch der erste Redebeitrag lief, nahm der Demonstrationszug schon Aufstellung. Leider ging der Redebeitrag dabei etwas unter. Zudem spielten die Veranstalter_innen den Demo-Jingle ab. Alles in allem eine schöne Organisation und es zeigt einmal mehr, dass Leipzig dahingehend vorbildlich agiert. Obwohl nicht beabsichtigt, fand ich mich im vorderen Drittel der Demonstration wieder. Die Spitze des Aufzugs war neben dem Fronttransparent durch mehrere Seittransparente unterstützt, zudem gab es gleich drei Dreifachhalter. Mit sehr zügigen Schritten setzte sich schließlich die Demonstration laut und kraftvoll in Bewegung. Insgesamt laut offizieller Seite um die 800 Menschen.

Der erste Zwischenkundgebungsort war am Tatort beim Leipziger Hauptbahnhof. In einer sehr emotionalen Rede wurde auf die Umstände des Mordes aufmerksam gemacht. Gleichzeitig stand das gesellschaftliche Klima im Fokus, das Rassismus und Sozialdarwinismus reproduziert und mensch nicht nur bei einer Kritik an offen faschistischen und rechten Strukturen und Ideologien stehen bleiben könne. Außerdem wurde im Redebeitrag auf die wie so oft unrühmliche Rolle von staatlicher Seite in Form der Polizei und deren Ermittlungen verwiesen. Diese hatte von  Anfang an versucht, die Tat zu bagatellisieren und Kritik daran zu kriminalisieren. Ein weiterer Punkt waren die Umstände der anderen Morde in Leipzig, vor allem im Bezug auf das angesprochene gesellschaftliche Klima.

Im Anschluss bewegte sich die Demonstration in den Osten der Stadt. Unterwegs gab es anscheinend eine kleinere Rangelei mit zwei als FaschistInnen identifizierten Menschen, was nur ein paar Sekunden ging.

Bei dem zweiten Zwischenkundgebungsstop gab es diesmal drei Redebeiträge, wobei der letzte davon dreisprachig gehalten wurde. Dabei ging es um die Vorstellung der Gruppe Medinetz, die in ihrem Beitrag auf die schwierige Lage hinsichtlich der Gesundheitsversorgung von papierlosen Menschen und Geflüchteten aufmerksam machte. Diese sind und werden vom Gesundheitssystem aufgrund ihrer Illegalisierung ausgeschlossen. Gleichzeitig verwiesen die Redner_innen auf den damit verbundenen Rassismus. Zugleich stellten sie ihre Arbeit vor, wie versucht wird, eben jenen Menschen zu helfen.

Der andere Redebeitrag, der ebenfalls sehr gut war, kam von der Gruppe Antifa Klein-Paris (AKP) und beschäftigte sich allgemein mit der Frage nach linksradikaler Politik in Zeiten von wieder zunehmenden rechten Aufmärschen. Vor allem ging es um das Problem der eigenen Initiative und dass eine radikale Linke nicht in reine Feuerwehr-Politik abdriften sollte, d.h. sich nicht darin zu erschöpfen, überall und ständig rechten und faschistischen Aufmärschen hinterherzufahren. Gleichzeitig wurde dabei auf das Dilemma aufmerksam gemacht, dass damit nicht gemeint ist, kleinere Gruppen und Zusammenschlüsse, insbesondere auf dem Land, alleine zu lassen, sondern auf einen allgemeinen Erschöpfungsgrad hingewiesen wurde. Das schlägt sich auch in den Mobilisierungen nieder. Trotz allem und das machte die AKP deutlich, sollte aufgrund der Lage eine radikale Linke nicht beim Thema Antifaschismus verharren. Gemeint ist damit die gesellschaftliche Analyse, denn die Aufmärsche bspw. in Schneeberg waren eine Zusammensetzung aus Bürger_innen und FaschistInnen und durch den Wegfall der NPD und dem Einzug der AfD im sächsischen Landtag hat sich ebenfalls eine neue Konstellation ergeben. Die ersteren sind damit nicht verschwunden und es bleibt abzuwarten, wie nun die FaschistInnen von parteigebunden bis -ungebunden auf den neuen Umstand reagieren werden. Und gerade polarisiert das Thema Islamismus immer stärker. Alles Aspekte, die der Redebeitrag mit anschnitt.

Es lief auch noch mal der Jingle zur Demonstration. Der Rest ist ziemlich schnell erzählt. Am Rande gab es auf der weiteren Route eine Solidaritätsaktion in Form von Transparenten, die an einer Hausfront angebracht waren. Am Ende wurde auf den Zusammenschluss in Magdeburg hingewiesen, die zur Verhinderung des im Januar 2015 dort standfindenden Faschoaufmarsch mobilisiert. Außerdem kam noch die Information zu Bautzen am 8.11. und dem dort stattfindenden dritten Aufmarsch gegen eine Asylunterkunft oder allgemeiner gegen Asylbewerber_innen, der offensiv von der NPD und ihr nahestehenden Kreise getragen wird. Es war eine gelungene Gedenkdemonstration in Leipzig hinsichtlich Außenwirkung, Teilnehmer_innenzahl und Redebeiträge.

Auch die Rückfahrt verlief fast störungsfrei, bis auf einige sehr alkoholisierte Stahl Riesa Fans, wovon manche mit rassistischen Parolen bei ihrem Ausstieg in Riesa auffielen. Zu Zwischenfällen kam es aber nicht.

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