Arbeitskampf in der Neustadt: Nachbereitung – 27. Februar in Dresden

12/03/2014

von Gumbel

Das linke Politik sich eben nicht nur beim Antifaschismus erschöpft, konnte man Ende Februar in der Dresdner Neustadt erleben. Wie bereits am 26. Februar auf dem Blog mit angekündigt, fand am 27. Februar die geplante BNG-FAU-Demonstration statt.

Losgehen sollte es 19 Uhr vor der bestreikten linken Szenekneipe Trotzdem. In dem oben genannten Blogeintrag findet sich eine Übersicht der Gründe für den Streik, die an der Stelle nicht noch mal dargestellt werden.

Wie üblich bei solchen Anlässen begann die Demonstration mit einer guten halben Stunde Verspätung, was nicht zuletzt am Ausfall der Technik lag: Das improvisierte Soundsystem mit einem kleinen Notstromaggregat auf einem Bollerwagen wollte partout nicht anspringen. Zum Glück gab es noch ein Megafon, über das dann die Redebeiträge gehalten wurden. Zum Startpunkt fanden sich wohl gut 60 bis 70 Personen ein, im Laufe der Demonstration kamen noch einige Menschen hinzu.

Nach dem Verlesen der ersten Redebeiträge, die noch mal auf das Anliegen aufmerksam machten, ging es nun die Alaunstraße Richtung Scheune (inzwischen ging auch das Soundsystem). Nach wenigen Metern stellte ich fest, dass es die erste Demonstration seit langer Zeit war, wo ich mir doch mal wieder kleine Handzettel mit den Demonstrationssprüchen gewünscht hätte, denn die vorgebrachten waren dann wirklich etwas Neues.

Bei der ersten Zwischenkundgebung Ecke Alaunstraße/ Louisenstraße beschäftigte sich der erste Redebeitrag mit den prekären Arbeitsbedingungen in der Dresdner Gastronomie. Deutlich dabei wurde, dass Arbeiternehmer_innen aufgrund des Konkurrenzdruckes untereinander, denn viele agieren als Selbstständige, und aus Angst bei Einforderung von Arbeitsplatzverbesserungen den Job zu verlieren, oftmals die Beschneidung der eigenen Arbeitnehmer_innenrechte hinnehmen. Hinzu kommen noch die Beschneidungen bspw. Vorenthaltung des Trinkgeldes oder unbezahlte Urlaubs- und Krankheitstage. Deswegen sei eine Organisierung so essentiell, um gemeinsam Verbesserungen der Situation durchzusetzen, auch weil viele Lohnabhängige nicht wissen, welche Rechte sie haben. An der Stelle sei angemerkt, dass der Gastronomiebereich eine Sparte ist, in dem sich nur wenig die großen deutschen Gewerkschaften bewegen und die FAU mithilfe der BNG eben in jene Lücke lokal vorstößt. Man betonte aber auch die Verantwortung der Konsument_innen, sich über die Situation zu informieren oder Kneipen, die als gewerkschafts- und arbeitnehmerfeindlich bekannt sind, zu meiden.

Der zweite Redebeitrag war eine Solidaritätsadresse an die FAU und warum der Arbeitskampf als wichtig und unterstützenswert empfunden wurde und das damit nach längerer Abstinenz soziale Kämpfe in der Dresdner radikalen Linken wieder eine erneuerte Präsenz erfahren hätten.

Danach setzte sich der Demonstrationszug wieder in Bewegung, der trotz anfänglicher verhaltener Stimmung letztlich doch eine gute Außenwirkung entwickeln konnte. Das lag nicht zuletzt daran, dass während der gesamten Demonstration immer wieder über das Megafon über das Anliegen aufgeklärt wurde. Hinzu wurden durch mehrere Demonstrationsteilnehmer_innen Flyer zum Thema verteilt.

Die nächste Kundgebung fand vor dem Hebedas an der Ecke Rothenburger Straße/ Böhmische Straße statt. Neben einem Redebeitrag von URA DD, der sich mit der FAU solidarisierte, gab es im Anschluss noch einen Solidaritätsgruß der Demonstration an die Beschäftigten des Hebedas.

Die letzte Zwischenkundgebung war dann vor dem Musikhaus, nach dem man noch eine kleine Runde gedreht hatte. Hier wurde nochmals von der BNG-FAU ein persönlich gehaltener Redebeitrag verlesen, der auf einen Großteil der Aspekte der prekären Beschäftigungsverhältnisse in der Gastronomie einging.

Schließlich ging es wieder zurück zum Trotzdem, wo man sich seitens der FAU bedankte für die breite Unterstützung in den letzten Wochen, auch beim Streikposten. Aufgrund der Tatsache, dass die Auseinandersetzung nun vor dem Arbeitsgericht weitergeführt werde, gab man bekannt, vorerst den Streikposten einzustellen. Insgesamt beteiligten sich für die Ausrichtung der Demonstration doch erfreulich viele Menschen und nach den erwähnten Startschwierigkeiten wurde auch das Anliegen weitgehend an Passant_innen vermittelt. Wer sich weiter darüber informieren möchte, auch über den aktuellen Stand der Dinge, der schaue hier nach.

Zu wünschen bleibt, dass man mehr Menschen in der Neustadt und darüber hinaus zu dem Thema erreicht und das es eben nicht nur ein kurzes Strohfeuer ist, dass dann schnell wieder erlischt, wie das leider bei solchen Themen oft der Fall ist. Hoffentlich wurden außerdem Impulse in eine radikale Linke gegeben, sich auch solchen politischen Feldern wieder mehr zu widmen. Man darf gespannt sein, wie sich das Ganze entwickeln wird.

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