Einige (sehr) verspätete Nachbetrachtungen

06/08/2013

Von Gumbel und Möppl

An dieser Stelle noch Berichte zur NSU-Demonstration in München vom 13. April 2013, zur Befreiungsdemonstration in Dresden vom 08. Mai 2013 und schließlich der letzte zum CSD in Pirna vom 22. Juni 2013. Wie man sieht, alles schön chronologisch und zugegebener Maßen um einiges verspätet.

München

Wegen dem beginnenden NSU-Prozess in München hatte ein breit gefächertes Bündnis zur Demonstration aufgerufen, wobei verschiedene Gruppen eigene Aufrufe beisteuerten. Durch die breite Unterstützung kamen schließlich über 5000 Menschen zur Demonstration.

Nach der störungsfreien Anreise und der Parkplatzsuche ging es erst mal zu Fuß quer durch den Park, um zum Demonstrationsstartpunkt zu gelangen. Je näher man diesem kam, umso mehr Polizeieinheiten standen am Straßenrand. Teilweise kam es zu Durchsuchungen von mitgeführten Taschen und Beuteln, sowie zu Personalienkontrollen, dennoch blieb die Lage ruhig.

Am Stachus war dann erstmal längeres Warten angesagt. Dabei konnte man feststellen, dass von antinationaler bis antiimperialistischer Seite weitgehend jedes Spektrum bedient wurde. Zwar gab es im Vorfeld die Bitte oder Aufforderung, keine Nationalfahnen mitzubringen, was aber von autoritären Linken und Antisemiten mit einer Abwandlung der Antifaschistischen Aktion mit den Nationalfahnen der UdSSR und „Palästinas“ ignoriert wurde. Gleichfalls ignoriert wurde dies vom Veranstalter_innenkollektiv, dass bei einer Zwischenrede vom Hauptlauti begeistert festhielt, dass man keine Nationalfahnen sehe, obwohl der Fahnenschwingende Mob genau vorm Lauti stand.

Mit über einer Stunde Verspätung wurden dann die Redebeiträge verlesen, die aber keine neuen Informationen geschweige denn Analysen brachten und eher durch ihre moralischen Duktus auffielen. Den Höhepunkt setzte schließlich der Imam Idriz, der Antisemitismus mit der so genannten Islamophobie gleichsetzte.

Wie die Forderung, Nationalfahnen zu Hause zu lassen, sollte es auch keine Blockbildung geben. Auch das erledigte sich nach dem Demonstrationsstart relativ schnell, auch aus Sicherheitsgründen, denn einerseits marschieren autoritäre Linke gerne in ihren eigenen Blöcken, andererseits wäre es wohl dem ein oder anderen auf der Demonstration ohne die Abgrenzung in Teilen der Demonstration schlecht ergangen. So formierte sich schließlich um den Dreifachhalter vom UmsGanze-Bündnis diejenigen, die sich antinational und antideutsch verstanden. Mit diesem schon etwas faden Beigeschmack verlief die Demonstration ohne größere Zwischenfälle und jeder Block skandierte seine üblichen Parolen.

Aufgrund des ziemlich späten Starts und der Busabreise konnte man die Demonstration nicht bis zum Ende verfolgen. Auf der Rückfahrt per U-Bahn zum Busparkplatz konnte man dann noch ein rassistisches Alltagsbeispiel beobachten, bei der sich eine ältere Dame lautstark über people of colour echauffierte.

Alles in allem hat sich bei solchen Massenevents wieder gezeigt, dass solche auch ein sehr gruseliges Klientel der deutschen Linken anziehen.

Dresden

Andere Stadt, anderer Anlass, andere Situation. Zum 68. Jahrestag der Befreiung des deutschen Faschismus hatte die Linksjugend Dresden unter dem Motto „Ihr habt den Krieg verloren“ zu einer Feier- und Tanzdemonstration eingeladen. Es fanden sich letztlich gerade mal um die 100 Personen ein, was mal wieder zeigt, dass es sich im postfaschistischen Deutschland nur um Lippenbekenntnisse zur Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit handelt und man sich kollektiv lieber dem national building am 3. Oktober hingibt.

Weil man schließlich wusste, um was ging, zog die Demonstration nach kurzer Ansage ohne ausschweifende Redebeiträge oder Ähnlichem schließlich vom gut gewählten Startpunkt Postplatz mit dem extremismus“theoretischen“ Panzerkettendenkmal Richtung Synagoge los. Doch so richtig getanzt wurde nicht. Es war leider wieder nur das dröge rumlatschen, wie es das leider zu oft ist. Die Menschen an den Einkaufsparadiesen wussten nicht wirklich etwas mit der lauten Menge anzufangen und nur von wenigen wurden Erklärungsversuche gestartet. So zuckelte die Demo am Altmarkt vorbei und passierte auch die Synagoge recht zügig, auf dem Weg zur Albertbrücke und dem Regierungsviertel. Schnell war klar, dass hier weniger getanzt wird, dafür aber mehr geredet und sich ausgetauscht. So zog sie sich weiter: Abertplatz, innere Neustadt, A-Park. Kurz vorm Endpunkt der Demo wurde nochmal für Stimmung gesorgt, es wurde laut, Parolen wurden skandiert und nochmal an Tempo zugelegt. Zum Schluss ein kurzes Dankeschön und die Menge löste sich, nicht ohne nochmal ein paar tolle Bilder zu machen, auf.

Pirna

Stadt drei, Anlass drei: Christopher – Street – Day in Pirna. Es war der zweite CSD und die Veranstalter_innen haben sich große Mühe gegeben den Tag mit Spaß, guter Stimmung und Inhalten zu füllen.  Das Wetter war wieder super und schon früh trafen sich alle, um die Bühne aufzubauen und den Marktplatz zu schmücken. Beim Aufbau halfen viele mit kraft oder guten Ratschägen.

Mit vornehmer Verspätung ging es dann los. Nach dem Soundcheck, bei etwas gewöhnungsbedürftiger Musik (es wurde großteils Schlager gespielt), zeigten sich einige Menschen der Planungsgruppe auf der Bühne, sagten etwas zum Tag und den Zielen der Veranstaltung. Darunter die Piraten-Partei, DIE LINKE, Die Grünen, u.v.m. Der Tenor war dabei klar. Wie auch schon das Banner zum CSD Pirna verkündete: „Liebe ist für alle da!“ Anschließend an die Redebeiträge ging es laut weiter. Tess Tiger eroberte die Bühne und sorgte für gute Stimmung. Gleichzeitig wurde, von den etwa 50 Menschen vor der Bühne, ein kleines Quiz zum Tag gelöst. Nach einem tollen Auftritt wurden letztlich die drei Sieger_innen gekürt und bekamen sogar noch kleine Geschenke für die guten Leistungen.

Und während die letzten den Tag noch mit ein paar Bierchen, Sekt und Schnittchen ausklingen ließen, verschwand auch die Bühne, die Banner und Transparente, hoffentlich nur bis zum nächsten Jahr. Und sicher werden auch nächstes Jahr wieder mehr Menschen da sein und sich mit uns freuen, in dem Bewusstsein, dass es allen Menschen frei steht, wen sie lieben!

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