Arnulf Baring- eine Hommage

11/04/2013

von Eulenspiegels Till

Lieber Arnulf,

Von ganzem Herzen möchten wir uns bei Dir bedanken: selten wurde es Linken jeglicher Couleur so einfach gemacht, sich auf ein gemeinsames Feindbild zu einigen. Dabei sind es nicht nur deine Redegewandtheit und deine vor Witz sprühende Intellektualität, die gottseidank nur seltenst Gefahr läuft, oberhalb der Baumschulgrenze auszugreifen, die uns an Dir gefallen.

Nein, vor allem deine historischen Anekdoten sind ein steter Anlass für unser Amusement. Seien es deine Umwidmung Hitlers zu einem engagierten Sozialpolitiker (3:02 ff.)[1]; dein Gejammere über die vermeintliche tragische deutsche Mittellage als Ursache beider(!) Weltkriege (ebd., 2:30 ff.)[2] oder auch deine Übernahme der Sicht der deutschen Führung aus vor-weimarischen Zeiten, wonach das friedliebende Kaiserreich von allen ach so bösen anderen Mächten überfallen wurde (29:03 ff.)[3]- immer wieder bürstest Du die Forschung kräftigst gegen den Strich und denkst dir, wo halt gerade mal nicht ein beliebiger Wehrmachtsbericht oder die ‚Junge Freiheit‘ als seriöse und hochobjektive Quellen verfügbar sind, halt einfach etwas aus. Schließlich leben wir ja in einer freiheitlichen Ordnung, in der es jedem ja wohl nochmal erlaubt sein muss, sich selbst zum Obst zu machen!

Besonders gelungen fand Ich persönlich deinen Forschungsüberblick zu den ‚holocaust studies‘, bei der Du in gewohnt souveräner Weise und für ein TV-Format ungewöhnlich geschickt eine Mischung aus dem who´s´who der revisionistischen Literatur und Landser-Memoiren als Quellen aus dem Hut gezaubert hast, um das Massaker von Babyn Jar ziemlich unverhohlen zu rechtfertigen. Denn, so Du wörtlich: „Die Deutschen hatten mit sechstausend Juden gerechnet und sechsunddreißigtausend kamen.“ (ebd.,  35:46 ff.) Dagegen nimmt sich deine Bezeichnung der DDR als Verlängerung der Nazizeit (ebd., 11:08 ff.) ja fast schon klösterlich aus.

Für soviel Mut, unbequeme Wahrheiten gegen die pösen pösen Gutmenschen und Weltverbesserer auszusprechen, möchten wir dich spontan für den Alfred-Dregger-Gedächtnispreis vorschlagen!

Doch auch zu tagesaktuellen politischen Fragen hast du immer eine gewitzte Pointe parat. Wenn Du zum Beispiel den Nazismus mit traumwandlerischer Sicherheit als „Linkspartei“ ( (11:54) einordnest, bewegt sich eine solch mutige These im Einklang mit Steinbach´schen Geistesblitzen. Und deswegen gebührt dir natürlich Lob, da du ein Mutiger bist, der sowas nochmal gegen die Koalition der Denkenden auszusprechen wagt!

Mögest Du uns nach dem Dahinscheiden von Maggi „T.I.N.A.“ Thatcher[4] noch lange erhalten bleiben, denn ohne dich würde gähnende Leere in den Satireseiten Einzug halten! Wobei… es gibt ja noch unsere allseits beliebte Ministerin Kristina Schröder… . Und solltest Du dereinst den Weg allen Irdischen beschreiten müssen, sei unbesorgt: wir werden dir einen würdigen Abschied bereiten ;-).

Weiterhin viel Mut, Spaß und Schaffenskraft

wünscht stellvertretend für viele andere

Eulenspiegels Till

Anmerkungen:

[1] Vgl. v.a. Roth, Karl Heinz: Verklärung des Abgrunds. Zur nachträglichen „Revolutionierung“ der NS- Diktatur durch die Gruppe um Rainer Zitelmann, in: 1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts 7 (1992) 1, S. 7-11; (ders.): Historisierung des Nationalsozialismus? Tendenzen gegenwärtiger Faschismusforschung, in: Berliner Debatte Initial 4 (1993) 5, S. 11-22.

[2] Vgl. Wippermann, Wolfgang: Wessen Schuld? Vom Historikerstreit zur Goldhagen- Kontroverse. (= Antifa Edition). Berlin 1997, S. 34-58.

[3] Lieber Arnulf, würdest Du dich auch mal auf wirkliche Forschung vor allem nach deiner Zeit bei der HJ beziehen, dürfte dir folgende Schrift weiterhelfen: Fischer, Fritz: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/1918. Düsseldorf 1961.

[4] „There is no alternative“- das Merkel´sche “alternativlos” hat hier seinen Ursprung.

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