Nachbereitung – CSD in Pirna

16/07/2012

Von Gumbel und Möppl

Am 14.07.2012 fand erstmals in Pirna der CSD statt, um auf Themen, wie die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder homophoben Tendenzen in der Gesellschaft, speziell im sächsich-ländlichen Raum, hinzuweisen. Ein Bündnis aus dem Verein AKuBiZ (und der örtlichen alternativen Kulturkiste) und Parteien hatte zu der Veranstaltung eingeladen.

Aber vorab ein kurzer Rückblick auf die Geschichte des Christopher Street Day. Jährlich wird beim CSD an den ersten bekanntgewordenen Aufstand von homosexuellen und anderen sexuellen Minoritäten erinnert.  Diese lehnten sich am 28. Juni 1969 gegen die Polizeiwillkür auf. Ort dieses Kampfes war das Stonewall Inn in der Christopher Street, im New Yorker Stadtteil Greenwich Village. Es kam in Folge des Stonewall-Aufstandes und der vorangegangenen, immerwieder gewalttätigen und willkürlichen Razzien der Polizei, zu tagelangen Straßenschlachten. Im Gedenken an diesen Kampf wurde das Christopher Street Liberation Day Committee gegründet. Seit diesem Tag wird in New York immer am letzten Samstag im Juni mit einer großen Parade an diesen Tag erinnert. Die ersten CSD’s in Deutschland fanden 1979 in Bremen und Berlin statt. Doch bereits seit 1972 gab es große Demonstrationen von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten.  Doch zurück in die Gegenwart mit einem Blick auf den CSD in Pirna.

Nach dem durch starke Windböen einige kleine Probleme beim Aufbau auf dem Pirnaer Marktplatz auftraten, begann die Veranstaltung mit einiger Verzögerung kurz nach 15 Uhr. Lutz Richter, Kommunalpolitiker der Partei die Linke, eröffnete den CSD mit einem Redebeitrag, in dem er auf die Verhältnisse in Sachsen und den vielerorts verhafteten homophoben Einstellungen innerhalb der Bevölkerung einging und diese anprangerte. Die nachfolgenden drei Redebeiträge waren vom Grundtenor ähnlich, besaßen aber unterschiedliche Akzentuieren, bspw. die Frage nach der Akzeptanz und Gleichberechtigung beim Thema Homosexualität in den verschiedenen kommunalpolitischen Institutionen oder es wurde Kritik an der sächsischen Landesregierung und deren Umgang mit dem Thema geübt. Letztendlich, nach der Verlosung eines CSD-Bechers, den es als Preis für den Sieg bei einem Quiz gab, zogen sich die OrganisatorInnen und alle Menschen, die es wollten, in das Büro des Kreisverbandes der Partei Bündnis 90 / Die Grünen zurück. Dort wurde direkt im Anschluss Essen und Getränke bereitgestellt um nocheinmal zu feiern und um Eindrücke und Erfahrungen auszutauschen.

Insgesamt zielte die Veranstaltung auf die Bekämpfung von diskriminierenden Einstellungen gegenüber verschiedenen sexuellen Identitäten ab, die immer noch stark in der sächsischen Provinz verhaftet sind. Ungefähr 30 bis 40 Personen beteiligten sich am Pirnaer CSD. Zusammen mit dem CSD in Leipzig am gleichen Tag sollte ein klares Zeichen gesetzt werden.

Am Rande fanden sich auch einige örtliche Faschisten und der NPD-Stadtrat Mirko Liebscher ein, die versuchten, die TeilnehmerInnen abzufilmen und sich schließlich in ein nahe gelegenes Café zurückzogen.

Zwar war die TeilnehmerInnenzahl gering, aber dennoch lässt sich der erste Versuch eines CSD positiv bewerten, zumal das Ganze gut durchorganisiert war und über die Redebeiträge und durch das ausliegende Infomaterial  auch inhaltlich einiges geboten wurde. Auch in der Sächsischen Zeitung wurde positiv über die Aktion berichtet. Zu fragen wäre in dem Zusammenhang, warum sich niemand von der Pirnaer Aktion Zivilcourage auf dem Markt einfand, die noch nicht mal auf ihrer Homepage darauf hingewiesen hatten. Die VeranstalterInnen verständigten sich zudem darauf, nächstes Jahr wiederum einen CSD in Pirna durchzuführen.

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Eine Antwort to “Nachbereitung – CSD in Pirna”

  1. Holger said

    „Zu fragen wäre in dem Zusammenhang, warum sich niemand von der Pirnaer Aktion Zivilcourage auf dem Markt einfand, die noch nicht mal auf ihrer Homepage darauf hingewiesen hatten.“

    Es waren Mitglieder der AZ da und in deren Newsletter haben die aber drauf hingewiesen!

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