10 Ostmark und eine Bratwurst – Die DDR und der 1. Mai

26/04/2012

Von Gumbel

Es ist nicht mehr lang hin, bis zu einem der wichtigsten Tage im linken (Event-)Kalender. Die Rede ist natürlich vom 1. Mai. Seine internationale Einführung war 1889 auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationalen im Gedenken an die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Arbeiter_innen und der Polizei in Chicago Anfang Mai 1886. Begangen wurde er erstmalig weltweit 1890, ein Jahr nach seiner Verabschiedung und spielt bis heute eine gewichtige Rolle innerhalb der verschiedenen linken Strömungen und Gruppierungen als Kampf- und Feiertag. Er wird jährlich nicht selten genutzt, um auf aktuelle Problemlagen aufmerksam zu machen. Das schließt aber auch Umdeutungen bzw. Vereinnahmungen mit ein, besonders durch dogmatische Teile des linken Spektrums. Dabei bildet der Festkalender der DDR keine Ausnahme. Schlaglichtartig wird ein historischer Abriss über die Be- und Umdeutung des 1. Mai in der DDR gemacht, um darüber aufzuzeigen, dass ein kritischer Umgang mit eigenen speziellen Daten wichtig ist, damit erstens dogmatische Einflüsse verhindert werden und zweitens das jeweilige Datum dadurch nicht zur inhaltslosen Hülle der Selbstbeweihräucherung wird. Nicht enthalten ist der Aufbau und Ablauf des 1. Mai, der sich durch die gesamte DDR-Zeit weitgehend ähnlich gestaltete und somit in dieser Darstellung vernachlässigt werden kann.

 

Der Transformationsprozess 1945 – 1946

Durch die ideologische Besetzung des 1. Mai im nationalsozialistischen Deutschland, der zum gesetzlichen Feiertag der nationalen Arbeit schon 1933 festgelegt worden war [1], stand man im deutschen linken Lager am Ende des Krieges vor einem schwerwiegenden Problem. Zum einen sollte der Tag zurück gewonnen werden, zum anderen musste dabei aber der komplette Bruch mit dem Nationalsozialismus deutlich werden. Das war schwieriger, als gedacht, denn die NationalsozialistInnen hatten einen Großteil der Symbolik für die Inszenierung übernommen, die auch von der Arbeiter_innenbewegung genutzt worden war.

Dennoch wurde der Versuch unternommen und erste kleinere Maifeiern fanden schon 1945 in befreiten Teilen Deutschlands statt, die inhaltlich vor allem an die Traditionslinien vor dem Nationalsozialismus anknüpften [2]. Damit sollte der angestrebte Bruch erreicht werden. Die Begehung selbst wurde als Kampf- und Festtag zweigeteilt. Der politische Aspekt bestand großteils aus Kundgebungen und Demonstrationen, der feierliche Aspekt dann aus sich anschließenden Volksfesten. Zu diesem Zeitpunkt wurde der 1. Mai von verschiedenen politischen Gruppen und Parteien unabhängig voneinander begangen.

In der SBZ war es dann damit aber 1946 vorbei. Nach dem Zwangszusammenschluss von KPD und SPD zur SED im April 1946, strebte die neu gegründete Partei sofort die Deutungshoheit in allen Bereichen an. Das ging von Anfang an einher mit der Verdrängung und späteren Unterdrückung von linken Positionen einher, die nicht SED-konform waren. Unliebsame Personen fielen schließlich den parteiinternen Säuberungswellen zum Opfer [3].

Besonders wichtig für die Stabilisierung der SED war schließlich der 1. Mai 1946, um ihren Alleinvertretungsanspruch zu untermauern. Das zeigt sich auch in Besetzung der Themen in dem Jahr. Die Forderungen von 1945 nach Entnazifizierung und Verurteilung von KriegsverbrecherInnen, dem Verlangen von Verbesserungen der sozialen, politischen und kulturellen Situation für die Arbeiter_innen und Losungen für eine Bodenreform und mehr Mitspracherechte der Frauen und Jugendlichen wurden von der SED auf der zentralen Kundgebung am 1. Mai 1946 durch die Gründung der Partei als erfüllt propagiert. Es ging 1946 nicht mehr um aktuelle Themen und Probleme der Arbeiter_innen oder die Erkämpfung von Arbeiter_innenrechten, sondern um die Propagierung der politischen und ideologischen Ziele der Partei. Bezeichnenderweise liefen dann auch SED-Vertreter_innen auf allen größeren Demonstrationen an der Spitze.

Damit verlor der 1. Mai 1946 nicht nur seinen ursprünglichen Charakter als Tag der Formulierung von aktuellen Problemen der Arbeiter_innen, sondern ihm kam durch die propagierte Erfüllung der Ziele auch das Kampfmotiv abhanden. Zwar betonte die SED immer wieder das Motiv des Kampftages, aber das war aus mehreren Gründen eine Farce. Erstens verlagerte die SED, wie sich noch zeigen wird, die Gewichtung immer mehr auf dem Festpart, zweitens gab es keinen konkreten Adressaten mehr, an dem sich die Forderungen richteten und drittens musste im Gegensatz bspw. zum Blutmai 1929 die Straße in der DDR auch nicht mehr erkämpft werden [4]. Es verkehrte sich sogar im Laufe der Zeit ins direkte Gegenteil. Nicht die Teilnahme am 1. Mai war mit Gefahren verbunden, sondern das Fernbleiben wurde bestraft.

Insgesamt aber glückte die Transformation des Tages für die SED und die Partei nutzte den Tag zur eigenen Legitimierung und Herrschaftssicherung. Die ursprüngliche Motivlage des Tages wurde durch die Sicht der Partei ersetzt. Wie diese im Konkreten aussah, soll anhand der inhaltlichen Ausformung aufgezeigt werden, die sich grob in drei Phasen aufteilen lässt [5].

Erste Phase: 1946 – 1953

Die inhaltlichen Hauptmotive waren besonders der Bruch mit dem Nationalsozialismus und damit verbunden der Neuaufbau Deutschlands [6]. Das Ganze wurde ergänzt mit Losungen für eine sozialistische Gesamtlösung für Deutschland. Gleichzeitig wurde der angebliche Sieg der Arbeiter_innen mithilfe der SED propagiert, um somit den Alleinvertretungsanspruch zu unterstreichen. Bei der bereits erwähnten Maifeier 1946 kamen in Berlin eine halbe Million Menschen zusammen, um den schon mehrfach genannten Bruch mit dem Nationalsozialismus zu vollziehen bzw. dem Nachdruck zu verleihen [7]. Ein Jahr später wurde der 1. Mai durch die alliierte Kommandantur zum gesetzlichen Feiertag erhoben.

Trotz der damit einhergehenden propagierten Einheit aller linken Strömungen kam es 1947 zum Bruch zwischen der Westberliner SPD, die die Anbindung  und Orientierung der SED an der Sowjetunion scharf angriff. Das führte 1948 dazu, dass es zwei voneinander unabhängige Maiveranstaltungen in Ost- und Westberlin gab, wobei sich beide Seiten einen Mobilisierungskampf lieferten, um über die Anzahl der Teilnehmer_innen den legitimen Alleinvertreter der Arbeiter_innen in Berlin zu bestimmen [8]. Abgesehen durch Propagandakampagnen im Vorfeld durch das Neue Deutschland für Ostberlin kamen auf der zentralen SED-Veranstaltung gut 800.000 Menschen zusammen, in Westberlin knapp 150.000 Menschen [9].

Der damit erreichte Sieg der SED in der Außenwirkung und auch im Kampf um die Deutungshoheit, aber auch die Teilung und Neugründung zweier deutscher Staaten 1949 führte allmählich zu einer Themenverschiebung beim 1. Mai. Durch die DDR-Gründung wurde der Tag von einem gesetzlichen Feiertag zu einem Staatsfeiertag aufgewertet. Das unterstreicht einerseits die enorme Bedeutung, die man dem 1. Mai als Datum in der SED zurechnete, begrub andererseits aber zugleich nun komplett seinen Charakter als Kampftag, denn durch die offizielle staatliche Einbindung brauchte es auch keinen kämpferischen Aspekt mehr.

Zweite Phase: 1954 – 1969

Thematisch rückten die Überwindung und damit die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Wiederaufbau immer weiter in den Hintergrund, bis sie Mitte der 1950er Jahre kaum mehr eine Rolle spielten.

Ersetzt wurde der Themenschwerpunkt durch die Einbindung der DDR militärisch und wirtschaftlich an den von der Sowjetunion eingeführten Warschauer Pakt, bei gleichzeitiger scharfer Abgrenzung zum Westen, insbesondere der BRD [10].

Ein besonderes Motiv rückte dabei immer weiter in den Vordergrund, die Arbeit in Form des Austausches zwischen Partei und Bürger_innen. Für staatsloyales Verhalten und hohe Produktivität wurde die Bevölkerung im Gegenzug mit sozialen Maßnahmen und Programmen belohnt. Beispiele dafür sind der Neubau von Kindergärten, Klubhäusern und vieles mehr. Den feierlichen Akt beging man dann zum 1. Mai bei den immer populärer werdenden Volksfesten [11]. Einher ging dies mit der Inszenierung der SED als Garant für Fortschritt und einer wachsenden Ökonomie. Dementsprechend hoch war der propagandistische Aufwand in den Betrieben, um auch die Arbeiter_innen in dieses Bild einzufügen. Der erste Mai fungierte somit nicht mehr nur als Staatsfeiertag, sondern wurde zugleich als Rechenschaftsbericht über die Produktivität der Betriebe genutzt.

In die zweite Phase fiel auch die Militarisierung des 1. Mai. Aufgrund der sich verschärfenden Ost-West-Auseinandersetzung und der damit verbundenen gegenseitigen Diffamierungskampagnen, führte die Sowjetunion die Militärparaden zum 1. Mai ein. Nach der Gründung der NVA übernahm die DDR dieses Modell, um darüber militärische Stärke zu vermitteln [12]. Somit trat an die Stelle des Kampftags nun die Militarisierung. Dennoch entspannte sich die Lage in der DDR nach der Niederschlagung des Aufstandes vom 17. Juni 1953 und spätestens ab dem Mauerbau vom 13. August 1961 zusehends.

Das Motiv der Wirtschaftlichkeit, aber auch die Abgrenzung gegenüber dem Westen wurden in der zweiten Phase kontinuierlich ausgebaut, spätestens dann, als die SED in Erklärungsnöte und Legitimationsprobleme kam, wenn sie den Aufbau des Sozialismus verkündete und DDR dabei als „freieste und harmonischste Gesellschaft“ bezeichnete [13]. Besonders nach dem Mauerbau forcierte die Partei das Feindbild der BRD. Um auch außenpolitisch Fuß zu fassen, begann man, ausländische Delegationen zu empfangen und ihnen einen Platz auf der Ehrentribüne zuzuweisen [14].

Einher ging die zweite Phase mit einer zunehmenden Entpolitisierung der Bevölkerung. Diese wurden nicht als mündige Subjekte von der Partei wahrgenommen, sondern nur als willige Erfüllungsgehilfen für die Parteiführung bei den großen Spektakeln an den Festtagen. Die SED verstand die ökonomische Sphäre als Lebensinhalt der Bürger_innen, die politische hingegen als eine reine Parteiangelegenheit [15].

Dritte Phase: 1970 – 1989

Mit dem Wechsel von Walter Ulbricht zu Erich Honecker wird auch vollständig die dritte Phase eingeläutet, die ganz im Zeichen in der Erb- und Traditionsaneignung der deutschen Geschichte durch die SED steht [16]. Gleichzeitig verstärkte sich nochmals der feierliche Aspekt des 1. Mai, was zu einer weiteren Entpolitisierung des Tages führte. Im Zuge der Entspannungspolitik gab es ab 1978 auch keine Militärparaden mehr [17].

Man inszenierte nun den Tag des Wohlstands, um unter dem Slogan „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ die Fürsorge der DDR gegenüber ihren Bürger_innen zu betonen [18]. Daran schließt sich der stärkere Bezug an den feierlichen Aspekt an, denn die Ausgestaltung zielte auf einen Familientag ab, bei dem Freizeitgestaltung und Geselligkeit im Vordergrund standen.

Auf der politischen Seite begann die angesprochene Erb- und Traditionsaneignung. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Phasen begann man neben den Portraits von den üblichen Verdächtigen, wie Marx, Engels, Lenin, Thälmann, Liebknecht, Zetkin und Pieck nun auch Portraits von nichtsozialistischen Persönlichkeiten, wie Leibnitz oder Brecht mitzuführen [19]. Das diente vor allem als neues Angebot der Identifikation für die Bevölkerung in der DDR mit der deutschen Geschichte, um darüber die Legitimation der SED zu bewahren und um gleichzeitig von Themen wie der Militarisierung und der Umweltzerstörung abzulenken. Dadurch bekam der 1. Mai eine viel stärkere nationale Ausrichtung und der internationale Aspekt des Tages wurde meist nur noch in allgemeinen Floskeln für den Sozialismus und Weltfrieden abgehandelt [20].

Dennoch konnte diese verordnete Zwangsharmonisierung nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Risse zwischen staatlicher Führung und Bürger_innen ab den 1980er Jahren aufgrund der schlechten ökonomischen Lage und dem Wunsch nach Reisefreiheit immer größer wurde. Das schlug sich auch in den Teilnehmer_innenzahlen der Maiveranstaltungen nieder, denn es reichte nicht mehr allein der moralische Druck, um die Menschen zur Teilnahme bewegen zu können. Man setzte nun verstärkt auf materielle Anreize, um die Arbeiter_innen in den Betrieben zur Teilnahme zu bewegen, was dazu führte, dass die Anzahl der Menschen sich auf dem Niveau von 1946 bewegte [21].

Um zudem die Verbundenheit zwischen Partei und Bevölkerung zu symbolisieren, wurde auch die Ehrentribüne gesenkt, damit die Parteiführung auf derselben Höhe lag, wie die vorbeimarschierenden Demonstrant_innen [22].

Als letzte Maßnahme verstärkte man nochmals das Feindbild des Westens und der BRD, um sich selbst als friedfertige Nation darzustellen. Zumal sollte darüber der sich unabhängig von der Partei in den Kirchen bildenden Friedensbewegung entgegengewirkt werden. Außerdem diente die Inszenierung der eigenen Friedfertigkeit als Legitimation für die innenpolitischen Sicherungsmaßnahmen, um angebliche feindliche Einflüsse zu zerschlagen [23]. Die Argumentation der eigenen Friedensbemühungen und inneren Überwachungsmaßnahmen über das imperialistische Feindbild lässt sich gut in der zynischen Losung: „Der Friede muss bewaffnet sein“ ablesen [24].

Spätestens 1988 – 1989 konnte die SED den Bruch zur Bevölkerung auch auf den Maidemonstrationen nicht mehr kitten. Vielfach nutzten Bürger_innen Maiveranstaltungen, um ihren Unmut zu artikulieren und eigene Transparente mitzuführen, auf denen bspw. die Demokratisierung nach sowjetischem Vorbild gefordert wurde [25]. Gegenmaßnahmen von SED-Seite in Form einer erhöhten Repression, aber auch neuer Appelle und Losungen verpufften sang- und klanglos. Auf der letzten staatlichen Maiveranstaltung 1989 war die Teilnehmer_innenanzahl schwindend gering und läutete zugleich das Ende des DDR-Festkalenders mit ein.

Zusammenfassung

Der 1. Mai war neben dem 17. Januar und dem 7. Oktober das wichtigste Datum im Festkalender der DDR. Alle dienten sie zur Machtdemonstration und -sicherung der SED und gemeinsam war ihre Ritualisierung. Der 1. Mai war aber durch seine Wichtigkeit für die internationale Arbeiter_innenschaft und lange Traditionslinie, im Gegensatz zu den anderen Tagen im Festkalender, geradezu prädestiniert für eine autoritär linke Partei als Folie für ihre Propaganda in Form des Rituals genutzt zu werden.

Rituale zeichnen sich in erster Linie durch eine formelle und oft festlich-feierliche Handlung mit hohem Symbolgehalt aus, die nach vorgegebenen Regeln abläuft. Begleitet wird dies oft durch vorgegebene Wortformeln oder festgelegte Gesten. Zudem gibt es drei grundlegende Tendenzen beim Ritual. Erstens ist rituelles Handeln immer symbolischer Natur, zweitens sind im Ritual alle drei Zeithorizonte realisiert, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, denn rituelles Handeln bedarf immer des zeitlichen Spannungsfeldes von zurückliegender, tradierter Legitimation bzw. Sinngebung und der Verweisung auf das Zukünftige und drittens werden festgelegte Kommunikations- und Handlungsmuster realisiert und erneuert [26].

All dies findet sich auch beim 1. Mai und zeigt die Anfälligkeit von Ritualen für eine Funktionalisierung durch die Politik als erprobtes Mittel der Herrschaftssicherung und Kontrolle der Loyalität der Bürger_innen. Für die SED war dabei vor allem die zweite Tendenz entscheidend, denn ohne Tradition bzw. Rückgriff auf die Vergangenheit keine Legitimation und ohne Zukunftsausblick die Infragestellung des Alleinvertretungsanspruches der Partei.

Der 1. Mai verlor durch die Vereinnahmung der SED in der DDR fast komplett seinen ehemaligen Charakter als Kampftag der Arbeiter_innen und Ausdruck einer gesellschaftlichen Gegenmacht. Er stellte vielmehr eine inszenierte Öffentlichkeit dar. Damit diente und erfüllte der 1. Mai die angesprochene Machtsicherung und -demonstration der SED und war von einem Kampftag zu einem Staatsfeiertag geworden.

Dennoch verlor er zunehmend seine Bindungskraft. Das lag erstens an der passiven Rolle, die die Bürger_innen zum 1. Mai einnehmen sollten bzw. das die Parteiführung die Feierlichkeiten als Danksagung an sich selbst inszenierte und die Bevölkerung dabei nur als unpolitische Vollstrecker_innen benutzte, was vor allem von der jüngeren Generation immer mehr als Demütigung empfunden wurde. Zweitens war es nur eine Frage der Zeit bei den verschiedenen Interpretationen und dem Einbinden von Erbe und Tradition, dass dies zu unüberschaubaren Inhaltsangeboten bei den Maifeierlichkeiten führte und somit den SED-Propagandacharakter spätestens in den 1980er Jahren aufzeigte. Und drittens geht dies einher mit einer immer weiteren Steigerung der Symbolhaftigkeit und mit der gleichzeitigen Fokussierung auf den Feiercharakter in Form der Volksfeste, das zu einer Entpolitisierung des 1. Mai führte.

Damit zeigt sich, das der 1. Mai im Festtagskalender der DDR mit die wichtigste Rolle inne hatte und das seine jährliche erfolgreiche Inszenierung für die SED entscheidend war, um sich selbst als einzige Kraft für Wohlstand und Fortschritt und als unfehlbare Institution auf dem Weg zum Kommunismus zu inszenieren. Der Verlust der Bindungskraft der Maifeierlichkeiten kurz vor Ende der DDR spiegelte die Abhängigkeit der SED wider, denn einher ging dies mit einem irreparablen Imageschaden und macht zugleich deutlich, dass eine Vereinnahmung von speziellen Daten durch autoritäre Systeme, speziell im Ostblock, aufgrund der Abhängigkeit eine gegenteilige Wirkung entfalten können.

Deutlich darüber wird aber dennoch, dass spezielle Daten, wie anfangs erwähnt, immer wieder einer Reflexion über Gehalt und Sinn unterzogen werden müssen, um Vereinnahmungsversuche durch linksautoritäre und -dogmatische Strömungen zu verhindern.

Anmerkungen und Fußnoten:

Grundlage für den Text war eine von mir dazu verfasste Seminararbeit zu dem Thema: „1. Mai in der DDR“ aus dem Jahr 2011.

[1] Ein allgemeiner Überblick zum 1. Mai im NS, siehe Lauber, Heinz/ Rothstein, Dirgit: Der 1. Mai unter dem Hakenkreuz – Hitlers „Machtergreifung“ in Arbeiterschaft und in Betrieben – Augen und Zeitzeugen, Daten, Fakten, Dokumente, Quellentexte, Thesen und Bewertungen, Gerlingen 1983.

[2] Vgl. Hoffmann, Gregor: Zur Funktion und Zeichenhaftigkeit des 1. Mai in der DDR, in: Fix, Ulla (Hrsg.): Ritualität in der Kommunikation der DDR (Leipziger Arbeiten zur Sprach- und Kommunikationsgeschichte, Bd. 6), Frankfurt am Main; Berlin; Bern; u. a. 1998, S. 81.

[3] Speziell in den Jahren 1952/53. Dabei kamen besonders antizionistische und antisemitische Ressentiments zum Tragen, wobei der Antisemitismus eine lange Traditionslinie im Stalinismus aufweist, siehe Haury, Thomas: Antisemitismus von links. Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der frühen DDR, Hamburg 2002, insbesondere Kapitel sechs.

[4] Einen Überblick, vor allem zum Spannungsverhältnis der KPD und SPD als zwei VertreterInnen der deutschen Arbeiterschaft, siehe Kurz, Thomas: Arbeitermörder und Putschisten: Der Berliner „Blutmai“ von 1929 als Kristallisationspunkt des Verhältnisses von KPD und SPD vor der Katastrophe, in: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, 22(1986)3 – S. 297-317; Schwarz, Hanns-A.: „Ich frage, Herr Polizeipräsident, wo ist die Verlustliste Ihrer Beamten?“, Blutmai 1929, in: Braun, Horst Dieter/ Reinhold, Claudia/ Schwarz, Hanns-A. (Hrsg.): Vergangene Zukunft. Mutationen eines Feiertages, Berlin 1992, S. 79 – 90.

[5] Die Unterteilung orientiert sich an der Einteilung von Gregor Hoffmann und ergänzend dazu an der Untersuchung von Birgit Sauer. Vgl. Hoffmann: Funktion und Zeichenhaftigkeit: Fix: Ritualität, S. 85 f.; Sauer, Birgit: „Es lebe der Erste Mai in der DDR!“. Die politische Inszenierung eines Staatsfeiertages, in: Braun/ Reinhold/ Schwarz (Hrsg.): Vergangene Zukunft, S. 115 – 126.

[6] Vgl. Hoffmann: Funktion und Zeichenhaftigkeit, in: Fix (Hrsg.): Ritualität, S. 84.

[7] Vgl. Sauer: „Es lebe der Erste Mai in der DDR!“, in: Braun/ Reinhold/ Schwarz (Hrsg.): Vergangene Zukunft, S. 117.

[8] Vgl. Ebd.: S. 118.

[9] Vgl. Ebd.: S. 119.

[10] Vgl. Hoffmann: Funktion und Zeichenhaftigkeit, in: Fix (Hrsg.): Ritualität, S. 85.

[11] Vgl. Sauer: „Es lebe der Erste Mai in der DDR!“, in: Braun/ Reinhold/ Schwarz (Hrsg.): Vergangene Zukunft, S. 121.

[12] Vgl. Ebd.: S. 121.

[13] Vgl. Neues Deutschland, 1.5.1962.

[14] Vgl. Sauer: „Es lebe der Erste Mai in der DDR!“, in: Braun/ Reinhold/ Schwarz (Hrsg.): Vergangene Zukunft, S. 124.

[15] Vgl. Ebd.: S. 123.

[16] Zur Auseinandersetzung der Erb- und Traditionsaneignung in DDR, siehe Kuhrt, Eberhard/ Löwis, Henning von: Griff nach der deutschen Geschichte. Erbeaneignung und Traditionspflege in der DDR (Studien zur Politik, Bd. 11), Paderborn, München, Wien u.a. 1988.

[17] Vgl. Kraa, Detlev: Sozialistische Rituale und kulturelle Überlagerung in der DDR, in: Voigt, Rüdiger (Hrsg.): Symbole der Politik – Poltik der Symbole, Opladen 1989, S. 205.

[18] Vgl. Sauer: „Es lebe der Erste Mai in der DDR!“, in: Braun/ Reinhold/ Schwarz (Hrsg.): Vergangene Zukunft, S. 124.

[19] Vgl. Kraa: Sozialistische Rituale, in: Voigt (Hrsg.): Symbole, Opladen 1989, S. 205.

[20] Vgl. Ebd.: S. 205.

[21] Vgl. Sauer: „Es lebe der Erste Mai in der DDR!“, in: Braun/ Reinhold/ Schwarz (Hrsg.): Vergangene Zukunft, S. 126.

[22] Vgl. Kraa: Sozialistische Rituale, in: Voigt (Hrsg.): Symbole, Opladen 1989, S. 205.

[23] Einen Überblick der vielfältigen Sicherungsmaßnahmen zum 1. Mai bietet das Beispiel von Magdeburg, siehe Gladen, Jutta: Die Sicherungsmaßnahmen zum 1. Mai 1988 in Magdeburg. Eine Materialsammlung (Reihe Sachbeiträge, Teil 14), Magdeburg 2000.

[24] Vgl. Sauer: „Es lebe der Erste Mai in der DDR!“, in: Braun/ Reinhold/ Schwarz (Hrsg.): Vergangene Zukunft, S. 127

[25] Vgl. Ebd.: S. 128.

[26] Vgl. Hoffmann: Funktion und Zeichenhaftigkeit, in: Fix (Hrsg.): Ritualität, S. 64 f.

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