Voll im BILDe

29/09/2011

Von Roady

Investigativer Journalismus ist sicherlich nichts, was man von der BILD erwarten kann. Glänzt sie doch inhaltlich mehr durch Hetze und unreflektiertes Wiederkäuen des Zeitgeistes, als durch das Verbreiten von neuem und sachlichem Wissen. Doch nun soll sich alles ändern. Die BILD deckt einen Skandal auf, nein, gar einen „handfesten Skandal“!

Am 7. und 8. Oktober wird das Bündnis „Nazifrei – Dresden stellt sich quer“ eine Aktivierungskonferenz mit diversen Workshops an der TU Dresden veranstalten. Die Mobilisierung dafür geschah szeneintern (nur mehrere tausend Flyer und die Werbung im Internet sehen stark nach einer geheimen Aktion aus), einzig Andreas Harlass‘ unnachgiebige Arbeit brachte Licht ins Dunkle. Nicht dass es ein Problem wäre, wenn Konferenzen an Universitäten stattfinden, aber hier soll den größten Feinden von Freiheit (,*) und Demokratie, den „LinksextremistInnen“, öffentlicher Raum zur Verfügung gestellt werden. Das ist geradezu extrem.

Oberflächlich betrachtet erwartet man sicherlich nichts schlimmes, liest man von Blockaden, dies ist aber ein Täuschungsmanöver der „LinksextremistInnen“. Schreiben diese, dass „Polizeisperren umgangen oder durchflossen werden“ sollen, erkennt Harlass im Durchfließen das Durchbrechen. Ob es sinnvoll ist, die Konfrontation mit gut ausgerüsteten PolizistInnen zu suchen, wird hierbei natürlich nicht erörtert, so viel möchte ich noch verraten: Schlagstock ≠ Kopfkissen.

Böse Zungen würden natürlich behaupten, Unterstellungen wie die, dass „massive Gewalt gegen Polizisten trainier[t]“ werden soll sind schlichtweg unhaltbar, da dieses Bündnis zu großen Teilen bürgerlich ist. Und natürlich grenzt es an Gesinnungsterror bürgerliches Engagement als „linksextremistisch“ abzustempeln. Aber was wäre die BILD bitte ohne ihre Feindbilder, dieser Fauxpas sei somit verziehen.

Unverzeihlich hingegen ist den Nonsense, den er sonst noch verbreitet. Beispiel gefällig? Bitte: „Oder man lernt an der Uni, „wie ein Finger funktioniert“. So nennen Linksextremisten Handzeichen, mit denen der Mob dirigiert wird. Denn in der Chaoten-Szene gibt es dafür viele geheime Regeln“. – Dass es sich bei einem Finger um einen dezentral agierenden Demonstrationszug handelt, der nur Sinn im Verbund mit weiteren Fingern macht, wäre zwar richtig gewesen, aber wir sind es ja nicht anders gewohnt. Würden „Finger“ tatsächlich für Anweisungen an die anderen DemonstrationsteilnehmerInnen dienen, müsste natürlich erklärt werden, warum diese „geheimen Regeln“ auf öffentlichen Veranstaltungen gelehrt werden.

Am Ende noch ein Kommentar von Mathias Winkler (Deutsche Polizeigewerkschaft), der wieder die „Vorbereitung einer Straftat“ wittert und einen Blick in das Strafgesetzbuch empfiehlt. Wir lehnen dankend ab, erwidern diesen Hinweis allerdings, Blockaden sind bekanntlich eine Ordnungswidrigkeit, keine Straftat.

Ich halte fest: Qualitätsjournalismus ist noch immer nicht das Metier der BILD und „Linksextremismus“ die Weltverschwörung des 21. Jahrhunderts!

*Wahlweise können weitere Begriffe eingefügt werden, die den BRDlerInnen öfters mal aus dem Mund fallen.

DerArtikel:http://www.bild.de/regional/dresden/linksextremismus/linke-chaoten-trainieren-an-der-dresdner-uni-20200532.bild.html

Nachtrag: Das Blockadetraining ist inzwischen abgesagt. Der Rektor der TU Dresden, Prof. Müller-Steinhagen, wies den Stura darauf hin, dass rechtswidrige Veranstaltungen an der TU nicht geduldet werden. Nach einem Gespräch einigte man sich schließlich auf die Absage. In all meiner Güte werde ich die Begründung des Rektors als bundesbürgerliches Gewinsel abtun, mehr ist es wirklich nicht. Wer selbst unter den Bedingungen des Dresdner Trennungsgebotes, „soziales und gesellschaftliches Engagement“ von den Studierenden erwartet, versteht unter Engagement wohl nur scheinheiliges auf-der-Straße-stehen, das schon in der Theorie erfolglos sein muss. Natürlich klingt sein Selbstverständnis auch dementsprechend: „für Toleranz und Weltoffenheit und gegen Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Extremismus“, verzeihen sie Herr Prof. Müller-Steinhagen, das einzige extreme ist ihre Naivität. Schön, dass sie sich auch „friedlichen Protest“ wünschen und dementsprechend die Arbeit der Polizei nicht behindert sehen wollen. Die netten Damen und Herren, die dieses Jahr eine Sitzblockade von Studierenden martialisch auflösten, sich ein kleines Späßchen mit Pepperballs erlaubten? Denen sollte man gewiss nicht im Wege stehen, da haben sie Recht.

http://tu-dresden.de/aktuelles/news/aktivierungskonferenz/

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