Nachbereitung zur Fence Off – Demonstration am 24. September

28/09/2011

Von Gumbel

Am 24. September kam es in Leipzig zu einer bundesweit mobilisierten Demonstration der Fence Off – Kampagne „Weg mit dem nationalen Zentrum in Leipzig!“ unter dem Motto: “Nazi-Strukturen zerschlagen, linke Politik verteidigen”. Die Demonstration richtete sich gegen das Nazizentrum im Leipziger Stadtteil Lindenau in der Odermannstraße 8. Im Gegensatz zu nicht wenigen anderen Demonstrationen gab es in Leipzig erwartungsgemäß gute inhaltliche Beiträge. Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung der Demonstration.

 

Kurz zum Nazizentrum selbst. Angemietet wurde es von Wienfried Petzsold vor zwei Jahren als NPD-Bürgerbüro. Dennoch ist es gleichzeitig Anlaufpunkt für die JN, die Jugendorganisation der NPD, „freie Kräfte“ und für rechte Hooligangruppen von LOK Leipzig bspw. die Blue Caps. Dementsprechend breit sind das Angebot bzw. die Veranstaltungen, die in den Räumen der Odermannstraße 8 angeboten und abgehalten werden. So kam es in der Vergangenheit schon zu verschiedenen Vortragsabenden, bei denen bekennenden Holocaustleugner_innen eine Bühne geboten wurde oder es wurde für Konzerte genutzt. Zusätzlich bietet es den Nazis Trainingsräume für Kampfsport.

Die Demonstration begann typisch ungefähr eine Stunde nach angegebenem Beginn, obwohl diesmal extra auf Pünktlichkeit verwiesen wurde. Was besonders gut gelungen war, ist die Tatsache, dass Ansagen über den Lautsprecherwagen (Lauti) zweisprachig gehalten wurden, einmal in deutsch und einmal in englisch. Der zweite herausragende Punkt war die Teilnehmer_innenzahl von gut 2000 Menschen, was zur heutigen Zeit schon eine Seltenheit darstellt. Eine schicke und für die Polizei nervige Idee war es auch, die Auflagen auf Band aufzusprechen und mit erhöhter Geschwindigkeit abzuspielen, was dazu führte, dass die Polizei verlangte, das die Auflagen nochmals verlesen bzw. abgespielt werden mussten.

Auffallend war das geringe Polizeiaufgebot anfangs bei der Demonstration. Die Polizeitaktik bestand darin, die Hauptkräfte an der Odermannstraße zu konzentrieren. Auf der Demonstration nach ungefähr der Hälfte der Strecke kam es dann zum Eklat. Neben den üblichen Schikanen durch die Polizei von Anfang an, bspw. dem Abfilmen der Teilnehmer_innen, störten sich auswärtige Polizeikräfte an einer mitgeführten Israelfahne. Das wurde dann nach der Ansage über den Lauti durch die Demonstration mit lauten Pfiffen und Solisprüchen beantwortet. Es ist und bleibt ein Skandal, wenn deutsche Ordnungshüter Anstoß an der Fahne des jüdischen Staates nehmen, denn einerseits erweckt das wohl berechtigte Assoziationen zum Nationalsozialismus und andererseits scheinen hier Fragmente der deutschen Ideologie durch, die gerne negiert werden. Es ist auch nicht das erste Mal in den letzten Jahren, dass die Polizei gegen Israelfahnen bzw. deren Träger_innen vorgeht.

Die Redebeiträge beschäftigten sich fast durchgehend mit dem Nazizentrum und dessen Tragweite. Dementsprechend wurden auch gesellschaftliche Faktoren thematisiert. Die Redebeiträge können auch bei Fence Off nachgelesen werden (zumindest den von AKP, die anderen werden hoffentlich die nächsten Tage/ Wochen folgen).

In der Odermannstraße kam es dann zu einer kurzzeitigen Eskalation der Lage. Nachdem einiges an Pyrotechnik und wohl auch mehrere Farbbeutel auf das Nazizentrum geworfen wurden, spalteten die eingesetzten Polizeieinheiten den Demonstrationszug kurzzeitig und es gab mehrere Festnahmen. Nach kurzen Verhandlungen wurde die Demonstration dann bis zum Endpunkt fortgesetzt. Auf dem Weg dahin begann die Polizei ihre übliche Taktik, Leute aus der Demonstration zu ziehen und festzunehmen. Umso unverständlicher ist in dem Zusammenhang das Verhalten der Teilnehmer_innen, das bspw. kaum Ketten gebildet wurden.

Die angesprochene Taktik setzte sich nach der Auflösung der Demonstration fort, wobei es der Polizei noch leichter viel, denn die Leute verließen den Endpunkt nur in losen Kleingruppen

Alles in allem war die Leipziger Demonstration ein voller Erfolg. Nicht nur hinsichtlich der hohen Teilnehmer_innenzahl, sondern auch aufgrund des inhaltlichen Aspekts. Leipzig bzw. die Leipziger Gruppen und die Fence Off Kampagne haben zudem deutlich gemacht, dass Theorie und Praxis sich keineswegs ausschließen, sondern im Gegenteil einander bedingen.

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2 Antworten to “Nachbereitung zur Fence Off – Demonstration am 24. September”

  1. human said

    servus…

    also es ist zwar schon ein bischen her, aber das mit der bullerei und der israelfahne stimmt so definitiv nicht. fakt ist viel mehr, folgendes:

    an der () demonstration haben genoss_innen aus israel teilgenommen. für diese leuten war es vollkommen unverständlich, dass auf einer linksradikalen demonstration mit black block, gebildeten ketten und allem drum und dran, nationalfahnen getragen werden. das wurde GENAU SO auch durch den lautsprecherwagen der demo durchgesagt.
    es is ganz einfach eine falschdarstellung, wenn du behauptest es wäre die bullerrei gewesen. schließlich war ich selbst mit der gruppe israelis da.
    außerdem gab es vorher klare ansagen, bzw. ankündigungen, was auf der demo geduldet wir und was nicht. national-symbole zählten unteranderem dazu.

    ich bin mir nicht ganz sicher, aber schlussendlich is die fahne auch nicht verschwunden, sondern nur in den hinterenteil gewandert.

    soviel dazu.
    grüße.

    • provinzis said

      Gumbel

      Die Antwort kommt in der Tat über zwei Jahre zu spät und ich frag mich, was das jetzt noch zur Aufklärung beitragen soll, aber gut.
      Aus meiner Sicht (ich stand links hinter dem Lautsprecherwagen bei der Durchsage), kam die Ansage, warum die Demonstration gestoppt worden sei. In den folgenden Ausführungen wurde vom Kommentator vom Lautsprecherwagen gesagt, dass sich Polizist_innen an der Israelfahne stören, die sich zu diesem Zeitpunkt im vorderen Drittel befand. Zudem sagte der Kommentator überdeutlich, was er im Zuge dessen von der Polizei hielt bzw. O-Ton „dass sie sich verpissen sollen“.
      Daraufhin stimmte der Großteil der Demonstration in Solisprüche für die Fahnenträger_innen ein. Ich habe nicht geschrieben, dass die Polizei die Fahne entwenden konnte (wobei da mein Text den Eindruck erwecken könnte, sprich schlecht formuliert von mir an der Stelle).
      Die Fahne fiel mir dann auch wieder im hinteren Drittel auf, vllt hätte ich das noch erwähnen sollen.
      Im Übrigen wechselte kurz darauf das Kommentatorenteam auf dem Lautsprecherwagen, weil sich derjenige vorher der Polizei entzog, die diesen aufgrund seiner Aussagen gegen die Polizei vor Ort festnehmen wollte.

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