Das Schweigen der Großstädte

24/05/2011

Von Gumbel

Eine kleine Nachbetragung zur Demonstration in Zwickau vom vorletzten Wochenende

Am 14.05.2011 fand in Zwickau unter dem Motto „Stürmt das Schloss“ eine Demonstration für ein Alternatives Zentrum (AZ) statt, das sogar in der Jungle World Ausgabe 19/11 als Tipp der Woche angepriesen wurde. Letztendlich fanden sich 150 Teilnehmer_innen ein. An sich ein respektables Ergebnis, wäre da nicht das Ausbleiben von Gruppen und Menschen aus den Großstädten, bspw. Leipzig oder Dresden. Im Prinzip wurden die Zwickauer und Menschen, die aus dem nahen Umkreis angereist waren, alleine gelassen. Vielleicht lag es an der Entfernung, wobei das eigentlich nicht als Ausrede gelten kann. Schließlich ist die Kampagne für ein AZ in Zwickau nicht neu und zudem, laut Eigenaussage, breitflächig mobilisiert worden. Darin könnte wohl das Problem liegen, dass in Dresden und Co. dann doch weniger ankam, als erhofft. Dennoch ist es enttäuschend, dass kaum Resonanz für die ländliche Gegend in den Großstädten übrig ist, zumindest nicht viel.

Besonders Dresden fällt dabei schon seit längerem negativ auf. Viel mehr ist Mensch mit sich selbst und vor allem mit seinem Kiez beschäftigt als sich um auswärtige Belange zu kümmern. Das gilt beleibe nicht für alle und war vor einigen Jahren noch anders, aber insgesamt kocht doch jede_r mehr oder weniger sein eigenes Süppchen und es herrscht, abgesehen vom 13. Februar, eine Art Lethargie. Zwar gibt es noch Projekte, die aber fast durchgängig punktuell sind und einen zeitlich begrenzten Rahmen haben, langfristiges wird vergebens gesucht. Was die Gruppen aber, trotz inhaltlicher und persönlicher Differenzen, in einem Punkt eint, ist die scheinbare Ignoranz der Verhältnisse in ländlichen Gebieten bzw. wird realtiv wenig dahingehend unternommen. Das liegt wohl, wie eben schon beschrieben, mit daran, dass die Gruppen und Einzelpersonen zu sehr mit sich beschäftigt sind.

Dabei nimmt Zwickau noch eine Sonderstellung ein. Dort hat sich eine Naziszene etabliert, die mit gezielter Brutalität gegen ihr Feindbild vorgeht und sehr aktiv ist. Und auch das ist nichts Neues und hätte dazu bewegen sollen, gerade deshalb nach Zwickau zu fahren, um ein deutliches Zeichen für einen Ort des Rückzugs und politischer Alternativen zu setzen, um den dortigen Nazistrukturen etwas entgegenzusetzen. Im Vorfeld der Demo sind Aufkleber aufgetaucht, die zur Gewalt gegen Demoteilnehmer_innen aufriefen. Daneben gab es körperliche Übergriffe auf Menschen, die ins Feindraster der Nazis passten. Am Tag der Demonstration selbst kam es zu Störungsversuchen schon am Startpunkt durch Nazis. Es kam zu mehreren Böllerwürfen und versuchten Übergriffen, die aber durch die Polizei unterbunden wurden (das macht diese deswegen kein bisschen sympathischer). Schon in der Vergangenheit sind die „Nationalen Sozialisten“ aus Zwickau durch ihre besagte Gewaltanwendung aufgefallen und das auch mehrmals bei öffentlichen Veranstaltungen.

Das alles macht ersichtlich, wie wichtig ein AZ in Zwickau ist, um einen Anlaufpunkt im ländlichen Gebiet zu verankern und die angesprochenen politischen Alternativen aufzuzeigen. Umso unverständlicher erscheint es da, dass kaum jemand aus den sächsischen Großstädten anwesend war. Denn in Zwickau sind im Gegensatz zu anderen ländlichen Gebieten Strukturen vorhanden, die unterstützt werden können und auch sollten, zumal die Bedrohung durch Nazis physisch akut ist. Bleibt zu hoffen, dass die Großstadtgruppen dahingehend wieder mehr aus dem Arsch kommen, denn die Stadt ist nicht alles.

Für weitere Infos zum AZ in Zwickau siehe: http://baumhaus.blogsport.de/

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